«Nicht auf Augenhöhe?" Diskussion über die Kontinuitäten von 1904-08
Karen Taylor (EOTO eV) im Gespräch mit Sima Luipert (NTLA), Israel Kaunatjike (Alliance No Amnesty on Genocide) und Deborah Düring (B90/Die Grünen)
18-20 Uhr Berliner Zeit (MEZ) | 19-21 Uhr Windhoek-Zeit (CAT)
Nach mehrjährigen Verhandlungen wurde von den Regierungen Namibias und Deutschlands im Mai 2021 eine »Gemeinsame Erklärung« zum deutschen Völkermord an den Ovaherero und Namas 1904-08 vorgelegt. Seitens der Oppositionsparteien Namibias gibt es daran scharfe Kritik. Bis heute hat das Parlament in Windhoek noch nicht darüber abgestimmt.
Vor allem aber die betroffenen Communities der Nama und Ovaherero – insbesondere die Nama Traditional Leaders Association (NTLA) und die Ovaherero Traditional Authorities (OTA) – protestieren gegen diese bilateralen Verhandlungen. Sie fordern einen Neuanfang und die Beteiligung ihrer unabhängigen und selbstgewählten Vertreter. Dazu haben sie eine Online-Petition gestartet, die sich an die neue Bundesaußenministerin Annalena Baerbock richtet. Die Grünen hatten im November 2020, noch in der Opposition, in einem eigenen Antrag den Anspruch der Ovaherero und Namas auf Selbstvertretung unterstützt. Sie hatten auch eine vollständige völkerrechtliche Anerkennung des Völkermords gefordert.
Am 26. Januar 2022 hielten NTLA und OTA eine Online-Pressekonferenz ab, die auch der Auftakt für die Ovaherero and Nama Genocide Lectures war, die nun alle zwei Wochen stattfinden werden. Diese Vorträge werden in Kooperation mit solidarischen Initiativen in Deutschland organisiert. Sie sollen zur Aufklärung der Öffentlichkeit über den Völkermord und seine traumatischen Folgen für die Ovaherero und Namas beitragen.
Noch am selben Tag reagierte das Auswärtige Amt. Dessen Sprecher stellte klar, dass der Völkermord von 1904-08 von Deutschland auch weiterhin völkerrechtlich nicht anerkannt werde. Er begrüßte, dass einzelne Ovaherero und Namas von der namibischen Regierung in die bilateralen Verhandlungen einbezogen wurden. Allerdings könnten selbstgewählte und unabhängige Vertreter der betroffenen Communities nicht auf Augenhöhe akzeptiert werden: »Nur die namibische Regierung«, so die deutsche Position seit 2015, »kann Verhandlungspartner auf Augenhöhe sein.«
Wie ist die anhaltende Weigerung Deutschlands zu bewerten, den Genozid an den Ovaherero und Namas voll anzuerkennen? Was lässt sich über den kategorischen Ausschluss direkter Verhandlungen mit den Nachkommen der Genozidopfer sagen? Was ist von den Forderungen der Grünen-Bundestagsfraktion vom November 2020 und den Positionen des nun von ihrer Partei geführten Auswärtigen Amtes zu halten?
Wir haben dessen neue Führung, die deutsche Bundesaußenministerin Annalena Baerbock, für den 23. Februar 2022 zu einer ausführlichen Darstellung ihrer Position eingeladen, aber eine ablehnende Antwort erhalten. Wir freuen uns daher, dass sich die Grüne Bundestagsabgeordnete Deborah Düring, Mitglied im Ausschuss für Zusammenarbeit und Entwicklung, bereit erklärt hat, sich direkt mit den Initiator*innen der Ovaherero- und Nama-Online-Petition Sima Luipert (NTLA) und Israel Kaunatjike (Alliance No Amnesty on Genocide) auseinanderzusetzen.
Moderiert wird das Panel von Karen Taylor, Leiterin der Politischen Kommunikation von Each One Teach One (EOTO) e.V.



