Ein einführender Workshop zur deutschen Kurrentschrift des späten 19. und 20. Jahrhunderts
Dem breiten öffentlichen deutschen Bewusstsein kann sicherlich und nicht unbegründet eine weiter anhaltende koloniale Amnesie vorgehalten werden. Dabei ist das deutsche koloniale Unterfangen des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ausführlich erfasst und dokumentiert worden. Bis heute liegt eine Fülle an verschiedenen materiellen Aufzeichnungen vor, beispielsweise Inventarlisten, Berichte und Briefe zwischen dem Reichskolonialamt, der Kolonialadministration des deutschen Reiches, oder zwischen musealen Institutionen in der sogenannten europäischen Metropole und kolonialen Offizieren vor Ort in den sogenannten Schutzgebieten, also in zu kolonialen Territorien erklärten Regionen in Asien, dem Pazifik und in Afrika. Diese Aufzeichnungen sind vielfach archiviert worden. Die Erschließung von (Museums)archiven in Europa, und konkret in Deutschland, nimmt daher nicht nur innerhalb der kolonialen Provenienforschung eine zentrale Rolle ein, sondern ist auch essentiell für eine notwendige und breitgefächerte Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte. Neben physischen Zugangshürden, darunter die in Archiven befindlichen Dokumente erst nach und nach digitalisiert werden können, kommt hinzu, dass gerade Originalbriefe und -berichte von Zeitzeug:innen in Kurrentschrift, einer im 19. und 20. Jahrhundert noch geläufigen aber heute schwer zu dechiffrierenden deutschen Schreibschrift, verfasst worden sind. Es gilt also, diese Dokumente zu transkribieren, um sie für weitere Recherchen greifbar zu machen.
Vor diesem Hintergrund möchte dieser Workshop Interessierten, Studierenden, Aktivist:innen und Künstler:innen eine erste Einführung in die Kunst des Lesens und Transkribierens von Kurrentschrift geben.
@ Haus am Einsteinufer / Foyer der Universität der Künste Berlin, Einsteinufer 43, 10587 Berlin
Sprache: Deutsch
Für: Studierende, Künstler:innen, Aktivist:innen, Interessierte
Mit: Jeanne-Ange Wagne
